AMA Ausblick 2021

© Philipp Goldbach / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Hans Helfritz, Rautenstrauch-Joest Museum – Kulturen der Welt, Fotografische Sammlung, Inv. Nr. RJHH001.05_006

Gossan: Terra Marciana © Joan Fontcuberta, 2020

© Anna Orłowska, 2020

© Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln.

Artist Meets Archive # 2 zeichnet sich durch eine gemeinsame Fragestellung aus. Alle fünf Projekte stellen Fragen nach dem Zeigen oder NICHT-zeigen von Bildern.

Dabei bezieht sich die Fragestellung der Künstler*innen, sowohl auf die Gesamtheit des in den Archiven gespeicherten Bildmaterials, wie auch auf die jeweils abgebildeten Motive. Diese Untersuchungen finden dabei vor einem ethnologischen, unternehmerischen, aber auch in ganz poetischen Hintergrund statt: Was bleibt von einer fotografisch dokumentierten Tanzperformance ohne den Körper der Tänzerin oder des Tänzers auf dem Bild? Welche Sehnsüchte wecken Bilder vom Mars bei uns?

Woraus besteht das Archiv, was ist seine äußere Hülle? Wie konservieren wir Bildinformationen über einen Zeitraum von hunderten von Jahren und welche Verantwortung geht mit ihrer Aufbewahrung einher? Was erzählen uns die Leerstellen der konventionellen Geschichtsschreibung und welche alternativen Stränge wurden (noch) nicht erzählt? Was wird bewusst gezeigt / bewusst weggelassen?
 
Die Endlichkeit der Speichermedien, seien es analoge Träger oder digitale Datenformate und Programmversionen, führen zu einem ständigen Migrationsprozess der Daten. Dabei sehen wir das Archiv meist nur als einen hermetisch geschlossenen Korpus, ohne Zugang zu dem Bildmaterial, welches sich in seinem Inneren verbirgt und dort konserviert wird. In den Ausstellungen werden Institutionelle Entscheidungen und  Konservierungsprozesse ebenso beleuchtet wie das Archivmaterial und die einzelnen Artefakte. Oft wird auch das Archiv selbst zum Gegenstand der künstlerischen Reflektion.
Eine besondere Verantwortung geht von den Bildern aus, die unter ungleichen Machtverhältnissen ohne Zustimmung der aufgenommenen Personen gemacht wurden. Wie und ob dürfen diese Bilder überhaupt gezeigt werden?
Nicht selten entscheiden sich die Künstler*innen gegen das Zeigen und für die Untersuchung der Prozesse und der Institutionen, die dieses Bildmaterial bewahren. Die Beiträge der zweiten Ausgabe von Artist Meets Archive sind daher als ein wichtiger Beitrag zum aktuellen Diskurs im Umgang mit fotografischen Archiven zu bewerten.

Das “Artist Meets Archive”-Programm wird von einem Symposium begleitet, das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und dem Rautenstrauch-Joest-Museum für den 21. und 22. Mai als hybride Veranstaltung geplant wird. Weitere Infos folgen in Kürze!

Yasmine Eid-Sabbagh

© Yasmine Eid-Sabbagh, 2020
Yasmine Eid-Sabbagh recherchierte im Historischen Fotoarchiv des Rautenstrauch-Joest-Museums und wird auch dort ausstellen

Visuelle Notizen, Fragen zur Fotosammlung des Rautenstrauch-Joest Museums in Köln: hier zu sehen an dem Ort, wo sie momentan aufbewahrt wird, nachdem sie im alten Museum digitalisiert und nach konservatorischen Standard verpackt wurde. Was für neue Bedeutungen suggeriert die Sammlung in diesem Zustand? Was passiert durch das Fernhalten des Blickes?

Joan Fontcuberta

© Joan Fontcuberta, 2021, VG Bild- Kunst, Bonn. Foto: Joan Fontcuberta / ESA/ DLR/FU Berlin
Joan Fontcuberta recherchierte im Zentralen Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und wird seine Arbeit im öffentlichen Raum präsentieren.

Im Jahr 2017 kündigte das chinesische Unternehmen Galaxy Entertainment Inc. den Bau eines riesigen Themenparks an. Der Park mit dem Namen ‚Gossan : Mars-Mission‘, ist der Erforschung des Mars und dem Reisen in Rio Tinto, einem ehemaligen Bergbaugebiet im Südwesten Spaniens gewidmet. Die Abteilung Galaxy-Kommunikation beauftragte den Creative Director und Fotografen Joan Fontcuberta mit der Durchführung der internationalen Werbekampagne, für die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zahlreiche Bilder aus seinem Archiv zur Verfügung stellt.

Philipp Goldbach

© Philipp Goldbach / VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Philipp Goldbach beschäftigte sich mit dem Rheinischen Bildarchiv Köln
 und ist aktuell auf Burg Lede installiert und wird mit einer Präsentation in der Kölner Innenstadt zu Photoszene United zu sehen sein.

Installationsansicht von 3.906 Archivkartons im Außenraum, die beim Umzug des Rheinischen Bildarchivs Köln ausgemustert wurden im November 2020. Der Verfallsprozess der Kartons wird vom Künstler in regelmäßigen Abständen fotografisch dokumentiert - genauso wie er zuvor die Umlagerung des Kartoninhalts durch die Rheinische Restaurierungsgesellschaft in den Räumen des Rheinischen Bildarchivs fotografisch begleitet hat.

Anna Orłowska

© Anna Orłowska, 2021
Anna Orłowska arbeitete im Deutschen Tanzarchiv Köln und wird auch dort ausstellen.

Ein Tanzarchiv unternimmt große Anstrengungen, um Bewegung zu dokumentieren, aufzuschreiben und zu bewahren – wenn auch diese im Dokument bewegungslos verharrt. Die Bewegung scheint im Archiv, auf Papier, in Artefakten und anderen Medien „gefangen“, bleibt dabei jedoch der höchste Wert und Bezugspunkt. Bewegung, insbesondere die leichte und aufsteigende, ist Ausdruck von Fortschritt, Schönheit und Kraft – wie im Tanz so im Leben. Anna Orłowska reflektiert mit ihrem Blick auf ein Archiv des Tanzes auch die omnipräsente gesellschaftliche Forderung nach Anpassung und ständiger Beweglichkeit – eine Forderung, die Stille, Stillstand und Bewegungslosigkeit als eine schamvolle Schwachstelle verbannt.

Rosangelâ Rennó

© Arrangement von drei historischen Kölnisch-Wasser-Flaschen Nr. 4711 in verschiedenen Größen (Foto von 1992) Copyright: Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln
Rosangelâ Rennó setzte sich mit der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln auseinander und wird im Museum für Angwandte Kunst Köln ausstellen.

Reproduktionen von Dokumenten, aus dem RWWA und andere Veröffentlichungen, die auf verschiedenen Websites und in digitalen Bibliotheken zu finden sind, werden eine Art "Archiv im Aufbau" bilden. Ein Zeitstrahl soll die Entstehung des "Originals" Eau de Cologne und seiner zahllosen Plagiate, Aneignungen und Neuinterpretationen, die bis heute von vielen Marken in der ganzen Welt vorgenommen wurden, rekapitulieren. In diesem Archiv sind die Lücken und die Informationen zweifelhafter Herkunft ebenso wichtig wie die Dokumente, die bestimmte Fakten belegen.